Das Silber der Münze, Salz aus dem Berg: die Tiroler Faktorei der Fugger in Hall

Burg Hasegg und das Bergbaumuseum, die Fuggerfaktorei und das Fuggerepitaph

Vor allem in den letzten Jahren Jakob Fuggers und zu Zeiten Anton Fuggers besaß Hall in Tirol für die Fuggerfirma zentrale Bedeutung. Doch schon seit Dezember 1485, als Sigmund „der Münzreiche“, der Erzherzog von Tirol, erstmals einen Kredit über 3.000 Gulden bei den Fuggern aufnahm, war die Geschichte der Augsburger Familienfirma mit jener der Münze und der Salzpfanne von Hall eng verbunden. 1488 – die Fugger hatten Erzherzog Sigmund mittlerweile 150.000 Gulden geliehen – kam der Hauptanteil des Tiroler Silbers in die Hand der Fugger. Zwar sollte die Salinenstadt im fuggerischen Montankonzern noch jahrzehntelang eine Rolle spielen – doch um 1539 wurde die Faktorei aus Hall in die nahe Bergbaustadt Schwaz verlegt. In der Altstadt von Hall findet man die ehemalige Fuggerfaktorei.

Tipp

In Hall erinnern zwei Museen an die Bergbautradition der Region, an Silber, Salz und die Fugger. In der Burg Hasegg wurde seit 1567 Silber aus Tirol ver­münzt: Daran erinnert heute das Museum im Münzerturm. Das Bergbau­museum in der Altstadt gewährt mit der Nachbildung eines Stollens – mit Schächten, Rutsch­bahn, Werkzeug und Mineralien – Einblick in die Salzge­winnung. Über das Silber in der Münze Hall und Einkünfte aus der Salzpfanne zahlten die Habsburger Schulden bei den Fuggern zurück.

Museum Münze Hall
Bergbaumuseum

Die Faktorei der Fugger an der Eugenstraße in Hall
© Tourismusverband Region Hall-Wattens

In Innsbruck hatte sich die erste Tiroler Niederlassung der Fugger befunden. In Hall, wohin Erzherzog Sigmund 1477 die landesfürstliche Münzstätte aus Meran verlegt hatte, erwarben die Fugger Häuser, Grundstücke und drei Lagerhäuser für Erz und Blei. Vermutlich 1510/11, spätestens aber 1513, war die Fuggerfaktorei in Hall gegründet worden. Bereits in der Zeit um 1525 hatte sie der älteren Niederlassung in Innsbruck den Rang abgelaufen, wie Finanzgeschäfte aus dieser Zeit belegen. Im Netz des fuggerischen Montankonzerns war Hall ein wichtiger Knotenpunkt bei Erztransporten und Geldtransfers auf der Route Nürnberg–Augsburg–Tirol–Venedig. Hall war für die Fugger als Salinenstadt, als Stapelplatz und als Anlegestelle der Innflößerei ebenso von Interesse wie als Erfüllungsort sämtlicher Silberkäufe in Tirol. Von etwa 1511 bis um 1539 befand sich die Faktorei der Fugger im heutigen Haus Eugenstraße 9. Auch das Anwesen Mustergasse 4 war vermutlich ein Teil dieser Niederlassung.

Das Epitaph für zwei Fuggerinnen in der Vorhalle der Pfarrkirche St. Nikolaus
© Martin Kluger / context verlag Augsburg

Das Fuggerwappen bei der Fiegergruft

Um 1539 war das Ende der Faktorei in Hall besiegelt. Als Außenposten des Erzhandels der Fugger hatte Hall aber auch noch später Bedeutung: Silbererz, Kupfer- und Bleierz wurden von Gossensass, vom Schneeberg bei Sterzing und von Terlan bezogen und über Hall weitertransportiert. Erze des Jenbacher Handels wurden im Erzkasten an der Haller Floßlände gelagert: Silber und Blei gingen zumeist an nahe Schmelzwerke, Kupfertransporte bis nach Nürnberg und Genua.

Wo die Fuggerhäuser in Hall lagen, war lange nicht mehr bekannt. In jüngerer Zeit konnte ein Anwesen in der Eugenstraße als Sitz der Faktorei der Fugger identifiziert werden. Indirekt erinnern der 1440 errichtete, später sogenannte Münzerturm und das Münzertor der Burg Hasegg ebenso an die Augsburger Firma wie das (Salz-)Bergbaumuseum in der Altstadt. Das Fuggerwappen findet man nur in der Vorhalle der Pfarrkirche St. Nikolaus. In dieser Vorhalle, unter der sich die Gruft der Gewerkenfamilie Fieger befindet, entdeckt man das Epitaph der 1794 verstorbenen Gräfin Maria Franziska Johanna Fugger von Glött sowie ihrer 1790 verstorbenen Schwester, der Stiftsdame Maria Augustina Elisabeth: Gräfin Maria Franziska Johanna Fugger von Glött war Obristin des adeligen Damenstiftes in Hall gewesen.

Text © Martin Kluger

Sehenswürdigkeiten, aktuelle Ausstellungen und Tipps

© Thomas Baumgartner / context verlag Augsburg

Führungen durch das Museum in der Burg Hasegg

Das „Museum Münze Hall“ führt durch ein halbes Jahrtausend europäischer Münzgeschichte. Ein Höhepunkt ist der originalgetreue Nachbau der wasserkraftgetriebenen ersten Münzprägemaschine der Welt, die im 16. Jahrhundert täglich 4.000 Geldstücke herstellte. Nach dem Museumsbesuch geht es auf den Münzerturm.

© Martin Kluger / context verlag Augsburg

Führungen durch die Altstadt von Hall

Führungen durch die Stadt im Inntal erinnern an die reichen Salzvorkommen, die sich Jakob Fugger „der Reiche“ 1519 für seinen Wahlkredit an Kaiser Karl V. verpfänden ließ – und an den ersten Taler der Welt, der hier 1486 aus Schwazer Silber geprägt wurde. In der Altstadt findet sich die einstige Fuggerfaktorei.

© Martin Kluger / context verlag Augsburg

Das Bergbaumuseum in Hall

Das Bergbaumuseum – die Nachbildung eines Stollens eines 1967 im Halltal stillgelegten Bergwerks – gewährt Einblick in die Geschichte der Salzgewinnung. Im Bergbaumuseum im Zentrum der Altstadt von Hall entdeckt man Schächte, Werkzeuge, Mineralien, eine Rutschbahn – es ist fast wie unter Tage.

© hall-wattens.at

Radwandern auf den Silberpfaden der Fugger

Von Augsburg nach Innsbruck oder Rosen­heim: Auf gemütli­chen Radwander­wegen entlang der Flüsse Lech und Inn finden sich Highlights wie die einstige Residenz der Fugger­familie in Augsburg, die weltweit erste Münzpräge­maschine in der his­to­rischen Metropole Hall in Tirol sowie das Silber­berg­werk in Schwaz.